Wissenschaft und Kreativität – ein Gegensatz? Nein! Das beweist der Science Slam schon seit seiner Erfindung in Darmstadt im Jahr 2006. Auch diesen Frühling wetteiferten die Wissenschaftler um die Gunst des Publikums und einem Bündel Spargel als Preis. Gewonnen hat Zell-Biologin Janina Otto (25) aus Marburg.

Von Johanna Hilbig & Dorothea Wagner-Maroti

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Siegerin des Science Slam: Zell-Biologin Janina Otto

Foto: Alexander Spiering

DNA: Die wichtigste Frage zuerst: Was hast du mit dem Spargel gemacht?

Otto: Es gab drei Tage Spargel, ich kann bald kein Spargel mehr sehen. Ich wollte eigentlich eine Spargel-Party schmeißen, aber spontan hatte keiner Zeit.

Wie bist du zum Science Slam gekommen?

Ich habe schon immer gerne Vorträge gehalten, habe mich aber nie getraut, mich für einen Science Slam anzumelden. Ende letzten Jahres habe ich mit einem Freund gesprochen, der auch slamt. Er hat davon geschwärmt, wie cool das ist und dass es eigentlich keine große Sache ist. Daraufhin habe ich mich in Marburg angemeldet. Nach der Veranstaltung war ich überzeugt und habe mich am nächsten Tag bei mehreren Adressen gemeldet.

In deinem Vortrag geht es um Schweiß – nicht gerade das beliebteste Thema. Wie bist du darauf gekommen?

Das lag an einem Praktikum, das ich vor zwei Jahren bei einem Kosmetikkonzern gemacht habe. Die Ausschreibungen sind dort immer recht allgemein gehalten, das heißt man weiß nicht, in welches Labor man kommt. Im Bewerbungsgespräch wurde mir gesagt, dass es um Deo-Wirkstoffe geht. Es wurden dann auch so lustige Fragen gestellt, wie: „Hätten Sie ein Problem damit, Schweißproben zu sammeln?“ Ich habe spontan natürlich nein gesagt, weil ich den Job haben wollte. Letztendlich war es dann aber gar nicht so schlimm. Schweiß ist immer ein totales Ekel-Thema, aber es gibt viel Schlimmeres. Und die meisten Leute riechen auch viel weniger nach Schweiß, als sie denken.

Ich war teilweise auch Probandin. Wenn man einen neuen Wirkstoff entwickelt hat, testet man diesen auch an sich selbst oder an Kollegen. Dann darf man vorher aber zwei Tage kein Deo benutzen und ich dachte schon „Dann läufst du in der Deo-Abteilung rum und bist nachher die einzige beim Mittagessen, die total riecht“, aber da ist überhaupt nichts passiert.

In deinem Vortrag zeigst du ein Bild, auf dem Forscher zu sehen sind, die an der Achsel von Probanden riechen. Läuft das wirklich so ab?

Das ist eine Möglichkeit, das nennt man „Direct Sniff“. Du kannst aber auch den Schweiß sammeln und in Gläser packen. Dann tragen die Probanden zum Beispiel Pads oder die T-Shirts werden in Gläser gepackt. Man muss nur darauf achten, dass sich der Schweißdunst gleichmäßig in der Luft im Glas verteilt. Das hat den Vorteil, dass man nicht direkt an den Probanden riechen muss. Das kann sonst für beide Seiten eine unangenehme Situation sein.

Du bist Studentin, das frisst ja auch eine Menge Zeit. Wie vereinst du das mit dem Slamen?

Genau, für die Masterarbeit hatte ich an manchen Tagen weniger Zeit als sonst, aber im Zug kann ich oft viel erledigen. Man darf nicht vergessen, dass es für die meisten Slams kein Geld gibt. Manchmal hat man Glück und bekommt eine Gage. Dann fährt man auch zehnmal lieber dort hin, aber oft macht man es umsonst und es wird nur die Anfahrt und Unterkunft übernommen. Da muss man ein bisschen kalkulieren, ob das so viel Spaß macht, dass man dafür alles stehen und liegen lässt und eigentlich nichts davon hat, außer dass man seine ideellen Werte weitergegeben hat.

Was ist die Herausforderung beim Science Slam?

Für mich: Innerhalb der zehn Minuten zu bleiben. Das ist immer am schwersten. Erzählen kann man immer viel und das Problem ist, auf den Punkt zu kommen. Bei meinem ersten Science Slam lief eine Riesenuhr über meiner Präsentation und da weißt du ganz genau, gleich klingelt es und dann kannst du noch kurz ausreden und alles andere wird irgendwann peinlich.

Wissenschaft und Kreativität – siehst du da einen Gegensatz oder lässt sich das vereinen?

Ich glaube, ein guter Wissenschaftler braucht viel Kreativität, weil man ja Probleme bearbeitet, die so noch keiner gelöst hat. Wenn man das immer nur mit den Standard Methoden versucht, kann das eigentlich jeder. Es ist immer gut, wenn man irgendeine ganz abgefahrene Idee hat und dann auch den Mut hat, das auszuprobieren.

Was gefällt dir gar nicht am Science Slam?

Die Aufregung ist manchmal echt unangenehm. Ich weiß noch, dass ich vor meinem ersten Science Slam tagelang nicht richtig schlafen konnte. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass das meine unterbewusste Nervosität war. Das ist etwas, was man als mentale Herausforderung in den Griff bekommen muss.

Bei Science Slam sitzen oft keine Doktoren oder Professoren im Publikum, sondern Laien. Ist Wissenschaft nicht langweilig für Außenstehende?

Das kommt auf das Thema an. Ich glaube, nicht jeder interessiert sich für alles. Es gibt aber bestimmte Themen, die sollten jeden interessieren. Zum Beispiel der Körper des Menschen. Jeder hat schließlich mal eine Erkältung und jeder schwitzt. Es gibt aber auch andere Themen, die nicht unbedingt jeden interessieren. Das sind meistens Themen, die so abgefahren erscheinen, dass man den Zusammenhang nicht mehr sieht. Wichtig ist vor allem die Frage: “Wo begegnet mir das im Alltag?” Man kann so ziemlich jedes Thema so weit herunterbrechen, dass Bezüge zum Alltag offensichtlich werden und dann interessiert es auch die meisten. Es ist aber auch eine Frage des Redners, ob er einem das Thema so verkaufen kann, dass man es versteht und dass der Zuschauer denkt “Boah, das muss ich unbedingt noch einmal nachlesen.”

Was gefällt dir besonders gut am Science Slam?

Dass es ein Wettbewerb ist. Ich habe ein paar Mal überlegt, ob es nicht schöner ist, wenn es kein Wettbewerb wäre. Aber ich glaube, es ist schon essentiell, dass es ein Wettstreit ist. Das reizt mich.