Im ersten Moment wähnte man sich am falschen Ort: Es war zu leer und zu still. Als ich das „Multimedia Communications Lab“ (KOM) erreichte, war dort weit und breit weder eine Warteschlange, noch eine Menschentraube zu sehen. Tatsächlich war es vielleicht mit 10 Uhr an diesem warmen Mai-Samstag noch ein wenig zu früh. Doch dies hielt mich nicht davon ab, an der diesjährigen Serious- Game-Challenge teilzunehmen.

Von Caroline Link & Marcel Ober

Die TU Darmstadt hatte im Rahmen der „Gamedays 2015“ zur einem Wettkampf geladen, der Serious Game Challenge. Die Ralley – wie sie von den Veranstaltern auch genannt wird – sollte an drei verschiedenen Standorten in Darmstadt stattfinden. Die Disziplinen drehten sich rund um die neuesten Software-Entwicklungen aus dem Hause der Technischen Universität im Bereich Gesundheit, Mobilität und Bildung.

Nun also Station eins: „Gesundheit“ im KOM-Gebäude. Von einer freundlichen Dame bekomme ich beim Betreten der Räumlichkeiten sofort ein Namensschild und einen Punktezettel in die Hand gedrückt. Auf diesem sollten die von mir erreichten Punkte an den einzelnen Stationen notiert werden. Würde ich genug Punkte sammeln, könnte ich tolle Preise absahnen. „Ein iPad zum Beispiel“, antwortet die Empfangsdame auf meine Nachfrage. Nach dem Anbringen meines Namensschildes mache ich mich von der Anmeldung auf den Weg zur ersten Challenge drei Meter weiter. Diese sollte wohl als ganz lockerer Einstieg dienen: Die Aufgabe bestand darin, sechs Fragen zum Thema Stress zu beantworten. Ein flachsiger älterer Herr stellte die Fragen und erklärte geduldig die richtige Antwort, falls man falsch lag.

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Mit fünf richtigen Antworten ging ich zur Station nebenan. Auf einer druckempfindlichen Plattform sollte man mit den Füßen eine Art digitales Kugel-Balance-Spiel durchführen. Je nach Gewichtsverlagerung neigte sich die rechteckige Landschaft auf dem Bildschirm vor mir und ließ die Kugel in die entsprechende Richtung rollen. Insgesamt sechs Level galt es zu meistern, die grafisch an ein Nintendo Wii-Spiel für Sechsjährige erinnerten. Mein Misserfolg war leider offensichtlich, weil schon meine Nachfolgerin eine deutliche bessere Figur machte.

Es folgten an den nächsten Stationen ein Flappy-Bird-Klon, bei dem man die Figur im Bildschirm anstatt mit Fingerberührung per physischer Pedalbeschleunigung auf einem Rad steigen und fallen ließ und eine Art Memory-Spiel auf dem iPad, welches leider so langsam reagierte, dass es unmöglich war, die volle Punktzahl zu erreichen.

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Erst ein Programm, das per Kamera Gesichtsausdrücke erkennt, ließ meine inzwischen aufkommende Ernüchterung etwas abklingen. Drei unterschiedliche Gesichtsausdrücke sollte man hierbei darstellen – so die Vorgabe der Spielleiter. „Glücklich“ und „wütend“ waren eine leichte Übung für mich, aber meinen „traurigen“ Schmollmund wollte mir die Software beim besten Willen nicht abkaufen. „‚Traurig‘ hat bisher kaum jemand geschafft“, sagte der Stationsleiter daraufhin tröstend in meine Richtung.

Um 11 Uhr verließ ich nach dem Eintragen meiner Punkte das KOM und machte mich auf den Weg zu Standort Numero zwei – „Mobilität“ auf dem Darmstädter Marktplatz. Hinter den Gemüseständen des Wochenmarkts waren zwei Pavillons aufgebaut, die die nächsten Stationen der Rallye beherbergten. Nach einem Tanzspiel namens „Dance with ALFRED“, bei dem man Schritte in die auf einem Handy angegebene Richtung machen musste, unterhielt ich mich mit Gerhard Saeckel, einem Entwickler von „TwoStone“.

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Dabei handelte es sich um eine Real-Life-Variante des Videospielklassikers „Pac-Man“, bei dem man auf mit einem Handy ausgerüstet Punkte abläuft. In diesem Fall war die Laufstrecke rund um den Marktplatz aufgebaut. Hielt man das Handy dabei flach Richtung Boden, wurde die Strecke angezeigt. Neigte man das Smartphone in Laufrichtung, aktivierte sich die Kamera und das Spiel setzte grafisch die Punkte ins Bild, denen es zu folgen galt. Eine durchaus nette Idee, die für Spaß an der Bewegung sorgt, jedoch waren die provisorischen Wege zwischen den Gemüseständen hindurch bisweilen ungenau in der App nachgebildet.

Nach dem Absolvieren weiterer Handy-Spiele, die alle im Zusammenhang mit Körperbewegung standen, führte mich der Rallye-Plan zum dritten und letzten Standort – in die Centralstation. Wo normalerweise an jedem Wochenende DJs den feierwütigen Darmstädtern mit Bässen und Beats einheizen, gab es dort an diesem Samstag zum Schwerpunkt „Bildung“ verschiedene Ratespiele, unter anderem zur ESA (European Space Agency) und ein Städtequiz, bei dem man die Bilder wichtiger Gebäude in Darmstadt den entsprechenden Namen zuordnen musste. Als ortsfremder Aspirant hatte ich hierbei jedoch kaum eine Chance.

Die letzte Station der Rallye war dann ein Spiel, das den Namen „Bionigma“ trägt. Grafisch bunte Würfel wollen in die richtige Reihenfolge verschoben werden, um den nächsten Level zu erreichen. Wie der Name schon sagt, hat dies einen biologischen Hintergrund. Die Würfel sollen Aminosäuren darstellen und bilden dann als Ganzes Proteinsequenzen, die im Körper vorkommen.

Einer der Leiter des Projekts, Prof. Dr. Josef Wiemeyer, erklärte mir dann in einem sehr interessanten Gespräch, wie das Spiel zum Verständnis ebensolcher Sequenzen fördert.

Ich bedanke mich und finde meinen Weg nach draußen, wo inzwischen die Mittagssonne das Thermometer in die Höhe schießen lässt. Mein Punktestand ergibt, dass ich leider nichts gewonnen habe, was jedoch nicht schlimm ist.

Meine erste Teilnahme an der Rallye war sehr interessant, jedoch waren viele der vorgestellten Konzepte noch etwas unausgereift. Trotz allem bieten die Gamedays jedes Jahr einen umfassenden Einblick in die Forschungsarbeiten der TU Darmstadt und lohnen sich definitiv für Interessierte. Und vielleicht komme ich ja nächstes Jahr wieder.