Wer an radioaktive Strahlung denkt, geht direkt vom Schlimmsten aus. Die Menschen haben Angst, dass Atomkraftwerke außer Kontrolle geraten und sie die Konsequenzen dafür tragen müssen. Doch radioaktive Strahlung ist ständig um uns. Auch an der GSI wird mit radioaktiver Strahlung geforscht. Zwei GSI-Mitarbeiter erklären im Gespräch, welche Rolle der Strahlenschutz dort spielt.

Von Jessica Sobetzko

Wie groß sind die Mengen an Strahlung, mit denen Wissenschaftler der GSI konfrontiert werden?

Der normale Wert eines GSI-Mitarbeiters, auch der, der in den entsprechenden Bereichen arbeitet, liegt bei 0,0. Das mag blöd klingen, macht messtechnisch aber Sinn. Die Dosis ist so gering, dass sie unter der Schwelle bleibt. Im Monat sind es 100 Mikrosievert . Letztendlich hat alles, was uns umgibt, einen natürlichen Strahlenwert – der Kosmos, Gesteine und auch wir selbst. In Bananen zum Beispiel ist Kalium 40 . Jeder, der mit einem Flugzeug fliegt, bekommt ebenfalls eine gewisse Dosis an Strahlung ab. Diese kann je nach Route, Flughöhe und andere Faktoren berechnet werden. Flugpersonal kann im Jahr schon um die vier bis fünf Millisievert abbekommen.

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Was machen Sie genau im Strahlenschutz?

Wenn wir Experimente haben und der Beschleuniger läuft, haben wir in diesen Experimentbereichen eine recht hohe Dosisleistung . Wir müssen dafür sorgen, dass die Dosisleistung  außerhalb der Einrichtung dementsprechend gering ist. Der Unterschied zwischen innen und außen ist sehr beträchtlich. Wir haben meterdicke Betonmauern , die die Strahlung auffangen, schwächen, absorbieren. Auch der Labyrinth-ähnliche Aufbau der GSI sorgt dafür, dass die Radioaktivität abgeschwächt wird.

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Welche Risiken gibt es für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter könnten nachlässig sein, z.B. mit offener Radioaktivität hantieren und sich ohne Handschuhe und Händewaschen danach in der Nase bohren. Dann haben sie natürlich ein gewisses Maß an Radioaktivität inkorporiert . Die Mengen sind aber so klein, dass die Leute nicht umfallen und krank werden. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, ist deutlich höher, als an der GSI durch inkorporierte radioaktive Stoffe.

Was wäre hier am GSI das „Worst Case-Szenario“?

Der Ausdruck Worst Case ist bei uns schlecht anzuwenden. Wir sind kein Kernkraftwerk. Das muss man immer wieder betonen. Wenn wir von einem Kraftwerk reden, dann wird da containerweise kontaminierter Abfall an die Landessammelstelle abgegeben. Wir haben zwei bis drei Fässer im Jahr.

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