Fluglärm kommt nicht nur aus der Luft, sondern auch vom Rollfeld. Am Frankfurter Flughafen wird zurzeit ein Gerät getestet, das die Flugzeuge elektrisch zur Startbahn schleppt. Neben der Lautstärke sollen damit zukünftig auch die Schadstoffemissionen verringert werden.

Von Daniel Wydra

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Uwe Klingauf, Professor an der TU Darmstadt

Foto: TU Darmstadt

Insbesondere in Städten, die nah an großen Flughäfen liegen, regt sich zunehmend Widerstand gegen Fluglärm. Am Frankfurter Flughafen demonstrieren jeden Montag hunderte Menschen gegen die steigende Lärmbelästigung. Doch neben dem Überfluglärm beim Starten und Landen sind auch die Flughäfen selbst eine große Geräuschquelle: Denn auch beim Rollen zum Gate oder zur Startbahn sind die Turbinen der Flugzeuge angeschaltet. „Das ist nicht nur laut, sondern auch sehr ineffizient“, sagt Uwe Klingauf, Professor für Flugsysteme und Regelungstechnik (FSR) an der Technischen Universität Darmstadt.

In Zukunft sollen die Flugzeuge daher elektrisch rollen: Gemeinsam mit der Lufthansa und dem Flughafenbetreiber Fraport werden zurzeit elektrische Schleppfahrzeuge getestet. Im Rahmen des Projekts Airport eMove bewerten die beteiligten Institutionen auch, wie viele Emissionen eingespart werden können. Finanziert wird das Projekt vom Bundesverkehrsministerium. TaxiBot heißt der Prototyp, mit dem das elektrische Schleppen getestet wird. Entwickelt wurde er von der Lufthansa-Tochter LEOS. Das Hybridfahrzeug ist mit zwei Dieselgeneratoren und einem elektrischen Antrieb für die Räder ausgerüstet. Gesteuert wird der Schlepper vom Piloten. „Nachdem TaxiBot ein Flugzeug in Startposition geschoben hat, dockt er ab und kann dann autonom zum nächsten Flugzeug fahren und es zum Beispiel zum Gate schleppen. Und wenn die Batterien leer sind, fährt er selbsttätig zur Ladestation und lädt sich auf“, erklärt Klingauf den geplanten Einsatz des Elektrofahrzeugs.

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Mit dem TaxiBot sollen Flugzeuge künftig elektrisch zur Startbahn geschleppt werden.

Foto: Lufthansa

„In Zukunft könnten dadurch nicht nur Emissionen und Lärmbelästigungen, sondern auch der Kerosinverbrauch gesenkt werden“, sagt Katja Hein. Die Ingenieurin promoviert am FSR der TU Darmstadt und begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Um seine Effektivität zu testen, führen Hein und ihr Team Lärmmessungen am Frankfurter Flughafen durch. Die beste Zeit dafür sei nachts. „Nur dann sind die störenden Hintergrundgeräusche gering genug – dank des Nachtflugverbots“, erklärt Hein. Trotzdem haben die Forscher für ihre akustischen Messungen lediglich 20 Minuten Zeit, da die lauten Triebwerke nachts nur mit Sondergenehmigung laufen dürfen. Zudem müsse das Wetter passen, sagt Hein. Starker Regen etwa verursache auch Störgeräusche. Die Messungen hätten gezeigt, dass es deutlich leiser ist, wenn die Flugzeuge mit elektrischer Unterstützung rollen: Beim „TaxiBotting“ wurden 86 Dezibel gemessen, beim üblichen Rollen waren es 102 Dezibel. Katja Hein findet den Unterschied beachtlich: „Denn nimmt ein Geräusch um zehn Dezibel ab, halbiert sich die vom Menschen wahrgenommene Lautstärke“, erklärt sie.

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Das ist ein Foto.

Foto: Lufthansa

Doch damit ist das Projekt nicht zu Ende. Als nächstes wollen Hein und ihre Kollegen untersuchen, wie sich die Lärmreduzierung auf die Lebensqualität der Menschen in der Region auswirkt. Dafür seien Simulationen für die Lärmentwicklung in einem Radius von zehn Kilometern notwendig. Erst danach wird sich zeigen, ob sich das elektrische Schleppen über das Rollfeld lohnt. Die öffentliche Diskussion über Fluglärm wird sich durch die neuen Entdeckungen aber kaum beruhigen. Außerhalb des Flughafens werden die Flugzeuge dadurch nicht leiser unterwegs sein. Dennoch ist es ein wichtiger Schritt, um den Luftverkehr nach und nach für Mensch und Umwelt erträglicher zu machen.